Die Einwohnerzahl Wedels lag 1874 bei 1.690 Personen, die in 213 Wohnhäusern wohnten. Eingebettet war Wedel in den Kreis Pinneberg, der 1875 noch 77.895 ha umfasste, da noch die östlich und nördlich liegenden Orte Blankenese, Dockenhuden, Eidelstedt, Flottbek, Friedrichsgabe, Niendorf, Nienstedten, Lokstedt, Lurup, Osdorf, Rissen, Schnelsen, Stellingen und Sülldorf dem Kreis Pinneberg angehörten. Wedel war landwirtschaftlich geprägt. Unter den Bürgern gab es zahlreiche Hofbesitzer, aber keine Fabriken.
Der Weberssohn Johann Diedrich Möller (1844-1907) war die Ausnahme. Johann war künstlerisch und kaufmännisch sehr begabt, sein großes Interesse galt der Mikroskopie. Er muss schon sehr früh im Besitz eines der kostbaren Geräte gewesen sein, denn er erhielt bereits 1866 von der Landdrostei Pinneberg die Genehmigung, die Trichinenschau bei Schweinen vorzunehmen. Sein Herz aber brannte für die äußerst komplizierte Herstellung von Mikroskopischen Präparaten für wissenschaftliche Zwecke. Dafür richtete er eine erste Werkstatt im elterlichen Wohnhaus in der Straße Hinter der Kirche ein. Hier stellte er zoologische und botanische Präparate aus Rohmaterialien her, die u.a. von naturhistorischen Expeditionen stammten. Diese Präparate veräußerte er an Wissenschaftliche Institute auf der ganzen Welt. Besondere Aufmerksamkeit durch die Verleihung einer Fortschritts-Medaille erzielte er auf der Weltausstellung 1873 in Wien mit seinen „Salon-Präparaten“. Dies waren unter dem Mikroskop mit einem Pferdehaar angeordnete Kieselalgen (Diatomeen), die so zu wahren Kunstwerken wurden.
Das Land wurde traditionell landwirtschaftlich genutzt. Auf dem Feld wurde Roggen, Hafer, Weizen, Buchweizen und Kartoffeln angebaut. 1874 entstanden in Wedel auch die ersten Baumschulbetriebe: die Gebrüder Heinsohn am Lülanden und die Karstenfelder Baumschule des Gärtners Franz Hinrich Biesterfeldt an der Holmer Straße. Auf über 2.000 ha Wiesen und Weiden wurde Heu oder Grünfutter erwirtschaftet.