Die Wohnsituation ist noch immer angespannt. Zahlreiche Wedeler, evakuierte Hamburger, aber auch Flüchtlinge, die in Wedel Schutz gesucht hatten, wohnen noch immer in den Barackenlagern, die im Krieg errichtet wurden. Das heftige Bombardement am 3. März 1943 hatte im Ort zahlreiche Gebäude vernichtet und zwischen den Ruinen fanden sich noch immer Blindgänger der Bomben. Es gilt noch die Wohnraumbewirtschaftung, daher meldet das Wohnungsamt 1957 noch 1.741 Personen, die Wohnraum suchen. Mit einem großen Kraftaufwand setzt das Bauamt die Wohnungsbauprogramme um, erste Erfolge sind bereits erkennbar. So gibt es zahlreiche Neubaugebiete, die durch Siedlungsgenossenschaften und Wohnungsbaugesellschaften erstellt werden, u.a. an der Lindenstraße, am Schützenkamp, am Pöhlenweg, oder der Gorch-Fock-Straße. Das größte Bauprojekt Wedels aber war ist Gartenstadt Elbhochufer, die ab 1954 gebaut wird, und vielen Menschen eine Heimat bietet.
Einher mit dem angespannten Wohnungsmarkt gehen Probleme am Arbeitsmarkt. Daher wird über ein besonderes Wirtschaftsförderungsprogramm Hunderte von Wohnungen in Wedel errichtet, die den Spitzenkräften der heimischen Wirtschaftsbetriebe zur Verfügung gestellt werden können. Hier tut sich großer Bedarf auf bei Firma Telefunken, die um 1957 415 Mitarbeiter zählt, aber auch bei KUBAH Möbelfabrik, die 240 Mitarbeiter hat. Die beiden größten Arbeitgeber sind allerdings die Feinstrumpfwirkerei Richard Wieschebrink (Bel Ami) mit 841 Mitarbeitern und die Optischen Werke J.D. Möller mit 675 Beschäftigten. Neben den Industriebetrieben wirtschaften in der Stadt noch einige Landwirte, die sowohl Ackerbau als auch Milchwirtschaft betreiben. Der Haidehof ist der wohl größte landwirtschaftliche Betrieb, aber u.a. auch Berend Langeloh und Julius Röttger aus der Schauenburger Straße sowie Köhler aus der Organistenstraße liefern ihre Milch an die Wedeler Meierei im Rosengarten.
Kein Problem hingegen ist es, sich für den täglichen Bedarf an Lebensmitteln einzudecken. Es gibt zwar noch keine Supermärkte, aber es gibt verteilt im Stadtgebiet zahlreiche Milchgeschäfte und kleine inhabergeführte Lebensmittelläden, darunter auch Ladengeschäfte von Spar oder der PRO. Es gibt die Schlachterläden von Hardorp, Hilbert, Höpermann, Kleinwort und Lieker. Kleidung und Textilien können in den Kaufhäusern Lüchau an der Doppeleiche, Heinrich Marxen in der Bahnhofstraße, Bunge in der Rolandstraße oder bei Haase in der Mühlenstraße erworben werden. Schuhe kauft man in den Schuhhäusern Jacksteit (Mühlenstraße), Koopmann (Goethestraße), Schaaf (Gorch-Fock-Straße) oder Tumforde (Mühlenstraße).