Schierlings-Wasserfenchel wächst erstmals an Wedeler Au

Mehr als zehn Exemplare des vom Aussterben bedrohten Schierlings-Wasserfenchels haben sich selbständig auf renaturierten Flächen an der Wedeler Au angesiedelt.

in Leben in Wedel

Schierling-Wasserfenchel; Foto: Stiftung Lebensraum Elbe

 

Diese seltene Pflanzenart kommt weltweit ausschließlich im Süßwasserbereich der Tideelbe vor. Die ein- und zweijährigen Pflanzen wurden bei einer Kartierung Anfang Juni in zwei der drei umgestalteten Bereiche gefunden.

 

„Das ist eine tolle Nachricht! Wir hoffen, dass der Schierlings-Wasserfenchel sich dauerhaft auf den neu gestalteten Flächen rund um die Wedeler Au etabliert“, sagt Wedels Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto.

 

Von Mitte bis Ende 2024 hatte die Stiftung Lebensraum Elbe auf städtischen Flächen an der Wedeler Au neue gezeitenbeeinflusste Lebensräume gestaltet. Unter anderem ließ sie Priele, Tümpel und flache, naturnähere Uferzonen anlegen. Eines der Ziele: Der Schierlings-Wasserfenchel soll hier wieder heimisch werden. Auf ein aktives Anpflanzen von aus Samen gezogenen Jungpflanzen hatte die Stiftung bewusst verzichtet – um herauszufinden, ob die Pflanze sich natürlich ansiedeln würde. Der erste Schritt zu diesem Ziel ist geschafft.

 

„Der Fund ist eine kleine Sensation und ein riesiger Erfolg: Erstmals seit mehreren Jahrzehnten wächst der Schierlings-Wasserfenchel in Schleswig-Holstein wieder eigenständig“, freut sich Projektleiterin Lina Güssefeld von der Stiftung Lebensraum Elbe.

 

Das größte der gefundenen Exemplare war zur Fundzeit abgefressen. Zum Schutz vor weiterem Fraß wurde die Pflanze eingezäunt – weil sie so noch neue Blüten entwickeln und fruchten könnte.

 

Die enge Zusammenarbeit der Stadt Wedel und der Stiftung Lebensraum Elbe in diesem Projekt hat sich ausgezahlt: An der Wedeler Au gedeiht inzwischen eine üppige, vielfältige Pflanzengemeinschaft, Libellen und andere Insekten finden hier reichlich Nahrung.

Weltweit kommt der Schierlings-Wasserfenchel ausschließlich im Süßwasserbereich der Tideelbe vor. Er ist auf die ursprünglichen Bedingungen hier spezialisiert, vor allem auf flache Ufer mit schlickigem Boden und regelmäßigem Gezeiten-Einfluss. Die Art ist vom Aussterben bedroht. Deshalb führt die Stiftung Lebensraum Elbe seit 2016 ein umfangreiches Programm zum Erhalt und Schutz der Art durch. Das Projekt an der Wedeler Au ist Teil dieses Programms.

 

Hintergrundinformation:

Unterstützt von der Stadt Wedel schuf die Stiftung Lebensraum Elbe auf städtischen Flächen ein vielfältiges Mosaik gezeitenbeeinflusster Lebensräume.

 

Angelegt wurden unter anderem:

  • neue Priele, die bei Flut Wasser in ausgewählte Marschbereiche leiten und bei Ebbe wieder abfließen lassen.
  • Tümpel, die Libellen, Insekten und Amphibien als Lebensraum dienen.
  • abgeflachte Uferbereiche, insbesondere an der Wedeler Au und der ehemaligen Kleientnahmestelle, die dem Röhricht „nasse Füße“ machen und so Rohrsängern und weiteren Vogelarten Rückzugsorte und Schutz bieten.
  • Weidenpflanzungen, die künftig schattige Zonen schaffen – essenziell für den stark gefährdeten Schierlings-Wasserfenchel, der hier wieder heimisch werden soll.

Die Stiftung Lebensraum Elbe wurde am 11. Mai 2010 durch Beschluss der Hamburgischen Bürgerschaft gegründet. Die Arbeit der Stiftung ist legislatur- und parteiübergreifend. Weitere Informationen auf www.stiftunglebensraumelbe.de.

 

Die Stiftung Lebensraum Elbe bietet einem kostenlosen Rundgang über die neu gestalteten Flächen am Mittwoch, den 29. Juli 2026, um 17 Uhr an.
Projektleiterin Lina Güssefeld stellt die umgesetzten Maßnahmen und einige besondere Arten vor und gibt Einblicke in die Naturschutzarbeit der Stiftung Lebensraum Elbe. Informationen zu Anmeldung und Inhalt finden sich hier.

 

(Stadt Wedel / Pressestelle & Stiftung Lebensraum Elbe)

 

Letzte Änderung: 15.07.2026