Stadtgeschichte

Wedel: Seit 15.000 Jahren Ort der Menschen

Steinzeit bis Frühmittelalter

Bereits gegen Ende der letzten Eiszeit vor 15.000 Jahren lassen sich menschliche Lagerplätze entlang des Autals auf dem Geestrücken des Klövensteens nachweisen. Diese auf Jagd spezialisierte Kultur hat zahlreiche Werkzeuge aus Feuerstein hinterlassen. Knochen, Geweihe und Zähne ihrer Jagdbeute finden sich noch heute im Elbschlick und werden regelmäßig ausgebaggert und angespült.

Aus der Jungsteinzeit liegt mit einem über 3.5000 Jahren alten Dolch aus Feuerstein, der in seiner Form weiter im Süden Europas bereits vorkommenden Vorbilder aus Kupfer und Bronze nachahmt, ein eindrucksvoller Fund aus dem Bereich der Auwiesen kurz vor der Mündung der Au in die Elbe vor. Zudem sind aus dem heutigen Stadtgebiet mehrere Steinbeile dieser bereits seßhaften und Landwirtschaft betreibenden Menschen bekannt, die aufgrund ihrer typischen Keramikform Trichterbecherkultur genannt wird.

Aus der Bronzezeit stammt der Tinsdaler Hortfund, der in Repliken in der Museumsausstellung gezeigt wird. Dieser  gut 3.000 Jahre alte "Schatz" aus mehreren bronzenen Schmuckstücken in Ringform gibt Hinweise auf einen Handelskontakt die Elbe hinauf bis ins heutige Tschechien. Ein ebenfalls aus dieser Zeit stammendes großes Tongefäß könnte auf eine Siedlung hindeuten.

Die Eisenzeit ist mit einer großen Tontasse und einer eindrucksvollen Gewandspange vom Typ "Tinsdaler Fibel"  vertreten.
Eindrucks- und geheimnisvoll ist die schlanke Prachtlanze aus dem Elbabschnitt Lühesand, die von einem Schwimmbagger in den 1960er Jahren gehoben wurde. Von ihrer Form her ähnelt sie Lanzen aus der Völkerwanderungszeit aus dem Gebiet südlich der Elbe rund um Stade.
Der Zufallsfund einer Gefäßrandscherbe slawischer Keramik aus der Zeit um 860 vom Elbufer bei Wedel komplettiert die eindrucksvolle Reihe ur- und frühgeschichtlicher Objekte in der Dauerausstellung.

Hatzburg - Ochsenmarkt - Roland

1212 erste Nennung Wedels in einer Urkunde als Familienname des Rittergeschlechts von Wedel, die bis um 1306 die Hatzburg bewohnten.
1311 bis um 1400 Die Hatzburg war Verwaltungszentrum der Grafschaft Holstein-Pinneberg und Herrschaftssitz der Schauenburger Grafen. Bis 1710 diente sie dann als Sitz der regionalen Verwaltung des Amtes Hatzburg.
Die Ausgrabungen in den 1980er Jahren dieser Befestigungsanlage sind in der Museumsausstellung ausführlich dokumentiert.
Aus einer Streusiedlung frühmittelalterlicher Haufendörfer entwickelte sich ein reicher Marktflecken, insbesondere aufgrund des Ochsengroßhandels von Dänemark über die seit 1460 nachweisbare Fährstelle bei Wedel an der Elbe.
Der 1558 datierte Wedeler Roland zeugt als Symbol der Marktgerechtigkeit für die wirtschaftlichen Bedeutung.

Landwirtschaft - Handwerk - Gewerbe

Die Arbeit der Frau in der Landwirtschaft, auf dem Felde und in der Milch- und Hauswirtschaft, thematisiert das Alltagsleben und das Verhältnis zwischen Herrschaft und Gesinde im ländlichen Wedel.
Elbmarschtypische Handwerke wie die Bandreißerei (Produktion von Faßreifen aus Weidenholz) und die Reepschlägerei (Produktion von Tauwerk) wurden bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts in und um Wedel ausgeübt.
Aufgrund des damals jährlich stattfindenden Ochsenmarktes – es wurden im 17. Jahhundert bis zu 30 000 Ochsen verhandelt – entwickelte sich ein blühendes Brauerei- und Brennereigewerbe. Die Zahl der Gasthäuser und Krüge rund um den Wedeler Marktplatz war überdurchschnittlich hoch.
Über 200 Jahre lang wurde Schiffbau in Schulau am Elbufer an zwei Werften betrieben. Neben den flachbodigen Ewern der Niederelbe wurden auch Schoner und Fregatten für die große Überseefahrt gebaut. Wedel und Schulau hatten je einen Hafen. Transport- und Frachtschiffahrt, Küsten- und Hochseefischerei bildeten einen wichtigen Erwerbszweig der Niederelbregion.

Vom Dorf zur Stadt

1875 erhielt Wedel das Stadtrecht. Der Bau des Eisenbahnanschlusses an die Strecke nach Hamburg 1883 und der Fall der Hamburg-Altonaer Zollschranken 1888 führten zu einer bedeutenden Ansiedlung von Industriebetrieben am Elbhochufer. Neben einer Zuckerfabrik, Dampf- und Dachziegeleien und einer Öl-Raffinerie waren die Optischen Werke J.D. Möller die größten Betriebe.
Dadurch kam es zu einem verstärkten Zuzug auch ausländischer Arbeitskräfte. Das Stadtbild und das politische Leben veränderte sich infolge des Wachstums und der Umstrukturierung der Bevölkerung. Arbeiterorganisationen, Parteien und Vereine, eine Siedlungsgenossenschaft und ein Konsumladen wurden gegründet.
Die Zeit des Nationalsozialismus in Wedel wird dargestellt anhand der Auswirkungen in den Alltag der Einwohner, am Schicksal jüdischer Bürger und einem Außenlager des KZ Neuengamme, das am Stadtrand gelegen hat. Bei der Bombardierung Wedels 1943 durch die Royal Air Force wurde über 70 % der Stadt zerstört. Auch das Museumsgebäude diente in der Folgezeit als Notunterkunft für Ausgebombte und Flüchtlinge.
Mit der Zeit der 1950er Jahre, der Darstellung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus und des sozialen Wohnungsbaus, endet der Rundgang durch die Geschichte Wedels.