Ausstellungen & Veranstaltungen

Ausstellung: 1600 Jahre alte Wedeler Lanze ist zurück

"In einer Zeit vor der Hatzburg" 26. Juni bis 22. November 2020

Mit seiner ersten Sonderausstellung setzt der neue Leiter des Stadtmuseums Wedel gleich ein archäologisches Ausrufezeichen: „Für viele beginnt die Geschichte Wedels mit der Hatzburg um das Jahr 1300. Dass es aber schon deutlich früher Nachweise von Siedlungen im Bereich Wedel gibt, soll diese Ausstellung zeigen. Wir tauchen mit Funden aus Wedel, aber auch aus sehr nah angrenzenden Orten, sozusagen noch tiefer in die Geschichte der Rolandstadt ein“, sagt Holger Junker, seit Januar Leiter des Stadtmuseums Wedel. „In einer Zeit vor der Hatzburg“ hat der Archäologe die Ausstellung betitelt, die anhand von zum Teil noch nie öffentlich gezeigten Fundstücken einen Bogen von der Jungsteinzeit über Bronze- und Eisenzeit bis knapp über die Zeit der Hatzburg hinaus schlägt. Auch die Geschichtsrezeption – wie zum Beispiel das Bild der vor- und frühgeschichtlichen Kulturen wie der Germanen in späteren Zeiten bis hin zum Dritten Reich stetiger Wandlung unterworfen war, wird in einer eigenen Vitrine angerissen. Die Ausstellung ist vom 26. Juni bis 22. November zu den Öffnungszeiten des Stadtmuseums (Freitag + Samstag, jeweils 14 bis 17 Uhr, Sonntag 12 bis 17 Uhr) zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Durch vorherige Tätigkeiten als Museumspädagoge an zahlreichen archäologischen Museen im Norden verfügt Junker über einen herausragenden Überblick, welche Fundstücke aus dem Großbereich Wedel in welchen Magazinen lagern. Denn nicht alle Objekte die bei Baggerarbeiten in der Elbe oder bei anderen Grabungen in der Rolandstadt entdeckt wurden, sind nach ihrem Fund in Wedel verblieben. Zum Teil als Leihgaben aus Sammlungen in Hamburg, Pinneberg oder Schleswig hat der Leiter des Stadtmuseums seine Zeitreise kuratiert. So ist unter anderem eine Replik des Tinsdaler Hortfundes zu sehen, einer Ansammlung von Bronzewaffen, -schmuck, und –barrengeld, das möglicherweise von einem fahrenden Händler in der Bronzezeit in Tinsdal vergraben und nicht wieder gehoben worden war. Einige Funde stammen zudem von Wedeler Hobbyarchäologen, die Junker verschiedene ihrer mit großer Akribie gesammelten und dokumentierten Funde für die Ausstellung zur Verfügung gestellt haben.

Als außergewöhnlichen Höhepunkt der Ausstellung holte Junker in der Vorbereitung der Ausstellung allerdings auch ein archäologisch besonders herausragendes Objekt ganz nach Wedel zurück: Eine in der Elbe gefundene, kunstvoll damaszierte Eisenlanzenspitze, die Junker nach aktueller Forschungslage auf die Epoche der Völkerwanderung um 400 n. Chr. datiert, war nach ihrer Bergung aus der Elbe in den späten 1950er-Jahren zur Restaurierung in das Schleswig-Holsteinische Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte, Schloss Gottorf in Schleswig, gebracht und eingelagert worden. Bei seiner Suche nach dem Stück fand Junker heraus, dass die Lanzenspitze, die auch das Ausstellungsplakat ziert, fundrechtlich im Besitz der Stadt Wedel war und bis heute ist. Mit der erstmaligen Ausstellung der Lanzenspitze kehrt die prächtige Waffe nun ganz nach Wedel zurück und wird auch nach Ende der Sonderausstellung zukünftig in der Dauerausstellung des Stadtmuseums Wedel zu sehen sein.       

Nicht zuletzt wegen der noch immer geltenden Coronabeschränkungen geht das Stadtmuseum Wedel mit der neuen Sonderausstellung neue Wege. Die mehrseitigen laminierten Handouts mit den Fundbeschreibungen, werden nach Gebrauch desinfiziert. Zusätzlich stehen aber alle Fundbeschreibungen auch online per QR-Code zum kontaktlosen Download auf das eigene Handy zur Verfügung. Auch Audio-Beschreibungen der Ausstellung durch Junker selbst sollen bei Ausstellungsbeginn zum Download per QR-Code zur Verfügung stehen. Darüber hinaus sind mit der Lanzenspitze, dem Reißbein aus der Hatzburg und dem Beil aus rotem Helgoländer Flintstein bereits drei Ausstellungsstücke in der Videoreihe „museumsreif – Junkers Lieblingsstücke“ zu sehen, mit der der Museumsleiter auch während der coronabedingten Schließung des Hauses Kontakt zu den Besucherinnen und Besuchern hielt.

Neben der Ausstellung sind unter anderem historische Radtouren mit dem Team des Regionalparks Wedeler Au angedacht, bei denen nach einem Museumsbesuch die Fundstätten der Objekte im Regionalpark angesteuert werden sollen. Wenn die Coronabestimmungen es zulassen, werden auch wieder Führungen für angemeldete Gruppen möglich sein. Zudem will der Museumspädagoge auch Führungen für Kinder im Rahmen der Ferienbetreuung und Erlebnisveranstaltungen für Kinder am neuen Findling am Wedeler Hundestrand anbieten. Termine werden auch mit Blick auf die Coronabestimmungen rechtzeitig bekanntgegeben.   

Die Ausstellung „In einer Zeit vor der Hatzburg“ wurde wegen des coronabedingt verspäteten Starts gleich bis zum November verlängert. Die bereits in Planung befindliche Comic-Ausstellung mit Künstler*Innen aus Dänemark und Wedel zum Oberthema Ochsenweg, wird dann im kommenden Jahr gezeigt. 

Stadt Wedel/Kamin, 24. Juni 2020

"In einer Zeit vor der Hatzburg"

Ausstellungsplakat "In einer Zeit vor der Hatzburg"

Besucherinnen und Besucher können sich auf eine archäologische Reise in Wedels Vergangenheit begeben. Werkzeuge, Waffen, Tongefäße und Schmuck aus und um Wedel, welche zum Teil erstmals öffentlich gezeigt werden, spannen einen weiten Bogen von der Eiszeit vor 15000 Jahren bis zur Ersterwähnung der hochmittelalterlichen Hatzburg im Jahr 1311.