Eine Melodie sagt mehr als 1000 Worte
Prof. Niebuhr erforscht die Sprechmelodie seit über 20 Jahren und gilt als Spezialist für die Formen und Funktionen der Sprechmelodie im Allgemeinen und das akustische Charisma im Besonderen. In zahlreichen Publikationen analysiert er die Vielfalt der subtilen Details von Klang und Melodie, die wir tagtäglich "zwischen den Zeilen" hören und sagen, zumeist ohne dies bewusst zu bemerken.
Wir kommunizieren nur mithilfe von Worten richtig.
Der allgemein als zutreffend angesehene Inhalt dieser Aussage wird bereits dadurch eindeutig widerlegt, dass die Aussage mit einer anderen Zeichensetzung in einem komplett neuen Licht erscheint: Wir kommunizieren nur mithilfe von Worten, richtig?
Die Antwort auf diese Frage ist also ein entschiedenes ’Nein’, gefolgt von einem verschwörerisch leisen ’im Gegenteil’. Die zentrale Rolle, die der Sprechmelodie in der alltäglichen Kommunikation zukommt, lässt sich zwar durch Redewendungen wie „Der Ton macht die Musik“ erahnen. Dennoch sind wir uns in der Regel nicht darüber im Klaren, dass wir zusätzlich zu den Worten, die wir bilden, über die Sprechmelodie eine Fülle weiterer Informationen mit auf den Weg geben, die uns oder unserer Nachricht nicht zwangsläufig zum Vorteil gereichen müssen. So stecken „zwischen den Zeilen“ etwa Informationen über unseren emotionalen Zustand und unsere Einstellung zum Gesagten oder zum Hörer.
Darüber hinaus benutzen wir die Sprechmelodie, um das Gespräch zu steuern, wichtige Passagen anzuzeigen und Sprechrhythmus zu erzeugen, der u. a. die Wörter in kleinere, vom Gehirn handhabbare Stücke gliedert.
Kurz gesagt, ob jemand als ausgeglichener, aufrichtiger, ausdrucksstarker oder angenehmer Sprecher empfunden wird, hängt zu einem gewissen Grad an der Sprechmelodie.
Der Vortrag erklärt in groben Zügen, wie Sprechmelodie erzeugt wird und welche melodischen Elemente über Äußerungen hinweg auftreten können. Darüber hinaus gibt der Vortrag einen Überblick über die Bedeutungen, die durch melodische Elemente im Deutschen ausgedrückt werden.
Mitglieder der SHUG und Schüler*innen des JRG haben freien Eintritt, für alle anderen wird ein Kostenbeitrag von 6,- € erhoben.