Unter dem Mühlenzwang der Wedeler Mühle stehen nicht nur die Bauern des Kirchspiels Wedel, (Wedel, Schulau, Spitzerdorf und Holm), sondern er gilt auch für die Bewohner der Ortschaften Rissen, Sülldorf und Schenefeld. Die nächsten Mühlen sind im Osten die Wassermühle am Mühlenberg in der Ortschaft Dockenhuden, im Westen die Uetersener Klostermühle und im Norden die Pinneberger Wassermühle.
Die Mühle gehört dem Grundherrn und der Name des ersten Müllers, eines Bediensteten des Grafen, nämlich Luleff Recht, taucht um 1600 auf. Dieser erhält neben seinem Lohn in Höhe von 20 Mk Lübsch auch ein jährliches Deputat an Mehl.
Am Fastnachtstag im Jahr 1602 zieht eine schwere Sturmflut über Wedel hinweg. Den Hatzburger Amtsregistern können wir entnehmen, dass die Stocksbrücke abgetrieben und zerbrochen ist, aber auch, dass das Wasserrad der Wedeler Mühle erneuert werden muss. Luleff ist zu der Zeit schon nicht mehr der Müller, denn das Brücheregister, des Jahres 1602 vermerkt, dass „Luleff der alte Möller“ für die Unzucht mit einem Eheweibe 25 Mark Strafe zu zahlen hatte. Die Kosten für die Mühle sind im Hatzburger Amtsregister von 1604 aufgeführt. Demnach erhält der Müller neben einer Besoldung auch ein Deputat aus der Mattenkiste [In der Mattenkiste wurde das Mehl einbehalten, dass der Müller als Entgelt für seine Arbeit erhielt.] und ein Schwein. Daneben erhalten zwei weitere Personen Abfindungen für Tätigkeiten an der Mühle: Heinrich Struckmann für das jährliche Schärfen des Mühlhammers, Bicke genannt, und Heiner Rasch erhält jährlich einen Scheffel Roggen aus der Mattenkiste, damit er Prahm und Ewer wartet. [Ein Prahm ist ein flaches Fährschiff].
Auf Luleff folgt der Müller Hans Kröger. Dieser aber hat Schwierigkeiten, die vom Grafen eingeforderte jährliche Abgabe von 400 Mark Lübsch zu erwirtschaften. Er schildert dem Amtmann Johann Goßmann 1605 seine Not mit der Mühle in Wedel. Diese sei, anders als andere Mühlen, vom Tidenhub der Wedeler Aue abhängig. Er müsse daher zweimal täglich das Mahlwerk abstellen. Darüber hinaus gebe es in trockenen Sommern solche Wasserprobleme, dass er kaum Einnahmen habe. Und damit er nicht an den Bettelstab komme, bittet er darum, ihm neben dem Lohn von 20 Mark zusätzlich einen Scheffel Saatland und das Recht der Fischerei im Mühlenteich zu gewähren.
Der Amtmann ist von diesen Forderungen nicht begeistert. Und so kommt 1606 ein neuer Müller auf den Hof. Klaus Heidtmann durchlebt wechselhafte Zeiten. Er bleibt dort lange, obwohl er heftigen Angriffen ausgesetzt ist. Unter anderem wirft ihm sein Nachbar, der Bäcker Hinrich Rickborn, vor, die Mühle nicht richtig zu führen. Er würde die Mühle nicht richtig ausbessern, zudem würde er die Mahlgäste – also die Kunden - übervorteilen. Mit einem Schreiben an den Grafen zu Holsten von 1623 versucht der Müller die Vorwürfe zu entkräften. So führt er aus, dass er 1618 durchaus umfangreiche Bauarbeiten an der Mühle habe durchführen lassen. Diese hätten ihn 350 Mark Lübsch gekostet. Und für die jährliche Pacht in Höhe von 60 Mark Lübsch, die er an die Witwe des ehemaligen Amtmannes Johann Goßmann zu zahlen hat, hätte er zahlreiche zufriedene Mahlgäste. Und er habe die Regeln eingehalten. So werde jeder nach der Reihe bedient und sonntags unter der Kirchzeit nicht gemahlen. Mittwochs und samstags werde kein Roggen, sondern allein Malz gemacht. Schwierig sei es allein wegen des Tidehubes, da manchmal kein Wasser und manchmal zu viel davon da sei.
Geschichte der Mühlen von Wedel
Es klappert die Mühle ....
Die Anfänge der Wedeler Mühle
Der Wedeler Barockdichter Johann Rist legt in seinem Buch „Die alleredelste Erfindung der Gantzen Welt“ aus dem Jahr 1667 sehr ausführlich die Notwendigkeit der Mühlen dar. Ich mache es ganz kurz: Ohne Mühle gäbe es weder Brot noch Brei, und viel schlimmer noch, es gäbe kein Bier! Daher könne zu Recht behauptet werden, dass Mühlen eine grandiose Erfindung seien. Und weil sie so wichtig sind, hat der Fiskus ein großes Interesse an den Einnahmen aus der Mühle. Dafür sorgt das Mühlenregal. Es gilt seit dem Mittelalter und ist ein dem Landes- oder Grundherrn zustehendes Hoheitsrecht. Es sichert dem Grundherrn das alleinige Recht zum Bau und Betrieb einer Mühle zu. Hinzu kommt der Mühlenzwang. Dieser verpflichtet alle Untertanen, ihr Getreide ausschließlich in der zugewiesenen Mühle mahlen zu lassen und das Mehl oder die Grütze auch nur dort zu erwerben.
Von einer Wedeler Mühle lesen wir erstmals in einer Urkunde vom 5. April 1314, als Graf Adolf VI. von Schauenburg an das Kloster Frauental – das spätere Kloster Harvestehude – u.a. auch Besitzungen von zwei Hufen auf der Geest im Mühlenbezirk in Wedel veräußert. Wenige Jahre später, 1338, verkauft Graf Adolf VII, dem Hamburger Bürger und Ratsherrn Herman Hardenacke und seiner Ehefrau eine Rente aus der Mühle in Wedel.
Aber wo liegt diese Mühle? Eine Zeichnung aus dem Jahr 1597 mag ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Denn hier ist am Oberlauf der Wedeler Aue, im Bereich des heutigen Hamburger Stadtteils Rissen, eine „Wüste Mühle“, also eine nicht mehr genutzte Mühle, eingezeichnet. Welcher Mühlentyp hier betrieben wurde, wissen wir nicht. Wenn wir den Verlauf der Wedeler Aue weiterverfolgen, sehen wir auf derselben Karte deutlich einen Mühlenteich und den Mühlendamm zwischen Wedel und Spitzerdorf eingezeichnet. Auch auf einer zweiten, älteren Karte, der Landtafel von Daniel Frese von 1588, ist die Wassermühle deutlich erkennbar. Wann aber das Wasser zum Teich aufgestaut wird, ist unbekannt. Das Areal „Wüste Mühle“, so konnte ich anhand der Schuld- und Pfandprotokolle nachvollziehen, ist noch bis etwa 1669 im Eigentum des Hofes 23 - Rolandstraße 11.
Die Wedeler Wassermühle
Dann kommt der Dreißigjährige Krieg nach Wedel. Während in weiten Teilen des Heiligen Römischen Reiches der Dreißigjährig Krieg bereits seit 1618 tobt, war es hier im Norden noch weitgehend still. Im Jahr 1622 aber wird die Region indirekt in den Krieg einbezogen. Da versucht nämlich der dänische König mit militärischer Gewalt seinen Anspruch auf die Herrschaft Pinneberg durchzudrücken. Dafür besetzen seine Truppen kurzerhand beinahe jeden Hof und drangsalieren die Bewohner. Zudem werden die Wälder und Felder geplündert und die drei Gewässer, der Ihlensee, der Teich bei der Hatzburg, und der Mühlenteich leergefischt. Der Müller kann die vier ihm zugewiesenen Soldaten nicht einquartieren und leistet stattdessen eine Zahlung von 150 Mark Lübsch. Aber immerhin: die Mühle wird nicht zerstört.
Ab etwa 1625 geht die Mühle in andere Hände. Nun heißt der Pächter der Wassermühle Thomas Diederichs. Ob die schweren Sturmfluten der Jahre 1627 und 1634 im Elbegebiet auch Schäden an der Mühle verursacht haben, wissen wir nicht. Bekannt aber ist, dass sich der Müller Thomas Diederichs beklagt, dass ihm die Mühle versprochen sei, aber dennoch Alexander Homeier aus einer Müllerfamilie aus dem Stammland der Schauenburger Grafen die Mühle ab dem 15. Mai 1637 übernimmt. Wir wissen das aus einem Schreiben des Drosten von Wietersheim nach Bückeburg vom 16.04.1637. Thomas Diederichs tritt dafür ab 1638 in der Wulfsmühle an. 1640 wird aus der gräflichen Wassermühle eine königliche Wassermühle, denn nunmehr ist aus der Grafschaft Holstein-Pinneberg die Herrschaft Pinneberg unter dänischer Verwaltung geworden.
Alexander Homeier bleibt bis etwa 1670 im Dienst. Während seiner Zeit erleidet dieser Landstrich schwere Wunden. Am 14. Februar 1648 verwüstet ein schwerer Orkan mit einer Sturmflut weite Teile. Johann Rist beschreibt in seinem Gedicht „Holstein, vergiß es nicht“ diese „Jammernacht“. „Unser Wedel liegt an einem hohen, erhabenen Orte, dem Ansehen nach vor allem Überlaufe des Wassers gänzlich gesichert und befreit. Nichts desto weniger ist bei diesem erschrecklichen Sturmwinde das Wasser so hoch angelaufen, daß es nicht nur die Mühle des Ortes, in welcher der Wirt mit den Seinigen oben auf dem Boden in großer Angst und Gefahr sich kümmerlich hat müssen erhalten, sondern auch etliche andere etwas niedriger gelegene Häuser hat angefüllet, so gar auch, daß einem unserer Nachbarn all sein Vieh hat ersaufen müssen.“
Zehn Jahre später braust in den Kriegszeiten des Schwedischen Krieges die schwedische Armee über Wedel hinweg. Der Müller schreibt 1660 einen Bericht über die während der zehntägigen Belagerung im Sommer 1657 erlittenen Schäden. Er habe „sich mit dem Quartiermeister abfinden müssen“, damit die Mühle nicht heruntergerissen und ruiniert wird. Dafür hat er nicht nur Geld bezahlt, sondern den Soldaten Branntwein, Zucker, Gewürze und andere Sachen aus Hamburg holen müssen. Danach hat er das Wasserrad erneuern und weitere Reparaturarbeiten vornehmen lassen. Und er klagt weiter darüber, dass der Mühlenteich fast zugewachsen sei und er daher im Sommer wegen Wassermangels nicht mahlen könne. Deshalb geht ein Teil seiner Mahlgäste zu anderen Mühlen und Mahlgäste aus Sülldorf kämen auch keine, da das Dorf abgebrannt sei.
Ab etwa 1674 übernimmt der Mühlenmeister Christoffer Brand die Mühle. Ihm folgt ab 1680 der Müller Johann Friedrich Lüders aus Uetersen. Dieser und seine Nachkommen, die Müllerfamilie Abel, führen die Mühle bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts.
Auch Lüders klagt zunächst über den schlechten Zustand der Mühle und bittet um Ermäßigung der jährlichen Pachtsumme. Aber es finden auch zahlreiche Neuerungen statt. Zum einen wird die Mühle erstmals der Witwe Margarethe Lüders geb. Vogt, später verheiratet mit dem Müller Detlef Runge, auf Lebenszeit verpachtet. Diese lässt im Jahr 1692 aufwändige Reparaturarbeiten vornehmen und übergibt die Mühle im Jahr 1717 an ihren 28-jährigen Sohn, den Müller Franz Diedrich Lüders.
Diesem wird im September 1726 die Erlaubnis gegeben, eine Windmühle auf eigene Kosten erstellen zu lassen. Sie wird 1731 an der Straße nach Blankenese erbaut. Wir werden noch auf sie zurückkommen.
Im gleichen Jahr wütet ein Großbrand in Wedel, dem zahlreiche Gebäude zum Opfer fallen. Die königliche Wassermühle wird dabei nicht beschädigt, aber der Zahn der Zeit nagt an ihr. Bei einer Inspektion durch die Pinneberger Verwaltung im Februar 1733 wird festgestellt, dass sich die Grundmauern in einem miserablen Zustand befinden. Daher wird dem Müller Franz Diedrich Lüders ernstlich befohlen, die Gebäude in- und auswändig zu reparieren. Die Klärung der Kostenübernahme durch die Dorfschaften Wedel, Schulau, Spitzerdorf, Holm, Rissen und Sülldorf dauert bis Dezember 1734 an. Dann endlich wird auch der Mühlendamm instand gesetzt.
Aber die Gebäude sind nicht die einzige Sorge. Auch der Mühlenteich muss gepflegt werden und wird, so scheint es, vernachlässigt. Bereits 1738 wird gerügt, dass die angrenzenden Wiesen viel zu oft unter Wasser stehen, und der Mühlenteich ganz verschlammt sei.
Im gleichen Jahr wird die Mühle dem Mühlenmeister Thiel Abel von der Wulfsmühle übergeben. Sein Bruder Conrad Barthold Abel übernimmt ab 1753 das Amt und überträgt es 1790 seinem Sohn Franz Diederich Abel. Dieser verstirbt 1809 ohne Erben. Erstaunliches zeigt sich in der Auflistung des Nachlasses der Witwe des Müllers Abel zwei Jahre später. Während der Zustand der Mühle immer wieder Grund zur Klage ist, und sich ein jeder Müller beklagt, dass er die Mühle ständig anhalten muss, besitzt die Familie zahlreiche Immobilien in Wedel. Neben einem großen Wohnhaus von 7-Fach [Ein Fach ist die Bezeichnung für die durch tragende Balken gebildeten Zwischenräume beim Fachwerkhaus] mit drei tapezierten Stuben und mehreren kleinen Räumen und Gemächern samt Keller finden vier Mietwohnungen, das Brennhaus von 3-Fach und einem Schweinestall, ein Landhaus und weitere Ländereien Erwähnung. Es gibt 3 Pferde, 6 Kühe und 2 fette Schweine. Auch werden in der Liste goldene Schmuckstücke, seidene Handschuhe, porzellanene Figuren und andere Pretiosen aufgeführt.
Die Mühle ist nun wieder in Zeitpacht zu besetzen. Daher führt der Landdrost von Döring in einem Schreiben an die königliche Rentkammer am 30.01.1824, auf: Die letzte Ausräumung des Teiches soll im Jahr 1682 stattgefunden haben. Eigentlich hätten Mühlenteich und Mühlenaue von den Bewohnern des Mühlendistriktes regelmäßig geräumt werden sollen, aber die hätten sich geweigert, auch der Pächter Abels sei seinem Befehl nicht gefolgt. Nun aber gäbe es im Mühlenteich Wärder (vermutlich sind es Aufspülungen), die wiederum verpachtet seien, und solange die Pacht laufe, könne keine Räumung vorgenommen werden. Zu den Problemen der Wassermühle wird Landdrost konkret:
1. der Zufluss an Wasser über die Aue ist zu gering für einen dauerhaften Antrieb
2. die Elbefluten drücken auf Wasserrad und Grundmauern und
3. der Müller hat ausschließlich die Mühle, aber nicht den Mühlenteich in der Pacht.
Insgesamt, so stellt der Landdrost fest, sei diese Mühle nicht rentabel zu führen.
Dennoch finden sich mit den Landmännern Johann Albert Breckwoldt und Thomas Hinrich Oeding erneut Zeitpächter für den Mühlendistrikt, der nach einem Bericht der Pinneberger Landvogtei vom 1.11.1827 noch immer aus dem Flecken Wedel, den Dörfern Holm, Schulau, Spitzerdorf, Rissen und Sülldorf besteht und somit 3.250 Einwohner umfasst. Zunächst pachten sie gemeinsam, ab 1825 ist es nur noch der Brauer Johann Albert Breckwoldt, der bis 1831 die Mühlen, die Mühlenwohnung, die Mühlenwerke und die Scheune gegen eine jährliche Pacht von 64 Silbermünzen nutzt.
1831 wird der 23-jährige Landwirt Martin Kleinwort Mühlenpächter und gleich mit folgenden Problemen konfrontiert: Blitzeinschlag in der Windmühle, Mangel an Oberwasser in der Wassermühle, Zerstörung der Mühle bei jedem Hochwasser, Stillstand des Mühlrades bei Flut und Verschlickung des Mühlenteiches. Kleinwort hält die sechs Jahre durch, dann folgt ihm 1837 Franz Hinrich Breckwoldt. Am 8. Januar 1839 kommt es an der Elbe zu einer Sturmflut, die auch an der Wassermühle Beschädigungen hinterlässt. So werden u.a. mehrere Planken fortgerissen, der Radstuhl (Teil des Wasserrades), sowie die Treppe beschädigt. Der Fußboden in der hinteren Stube schwimmt auf und der Ofen versinkt im Wasser. Die umfangreichen Reparaturen dauern bis 1840 an.
1840 fragt die königliche Kirchspielsvogtei zu Blankenese beim Flecken Wedel an, ob sie sich gegen Zahlung einer Summe Geldes vom Mühlenzwang und von den sogenannten Handpflichten freikaufen wollen. Die befragten Bürger stimmen für den Freikauf und zahlen für die Ablösesumme in drei Tranchen 4.300 Reichsbanktaler.
Daher kommt im Februar 1843 die Wind- und die Wassermühle in der Pinneberger Landdrostei unter den Hammer. Es gibt insgesamt drei Bietende: Johann Andreas Harry aus Altona, Martin Kleinwort und Johann Hinrich Heinsohn, beide aus Wedel. Den Zuschlag erhält Johann Hinrich Heinsohn (1805 – 1849), der zum 1.5.1843 die Mühlen vom letzten Pächter Franz Hinrich Breckwoldt übernimmt.
Im Übernahmeprotokoll werden die Schäden an den Bauten aufgelistet. Die Windmühle ist funktionsfähig, aber die Wassermühle selbst ist beschädigt. Das Mühlenbett ist reparaturbedürftig, das Fundament ist unterhöhlt. Das Waschhaus ist durch die Sturmflut 1842 so sehr beschädigt, dass es abgebrochen werden muss. Dafür ist aber die Scheune noch einigermaßen in Ordnung. Das Wohnhaus der Wassermühle, das sich unter dem gleichen Dach wie die Wassermühle befindet, wird ein Jahr später ersetzt. Zum Juli 1848 verkauft Johann Hinrich Heinsohn die Mühlen an seinen Sohn Johann Albert Heinsohn.
Ab 1878 beginnen Verhandlungen über die im Eigentum der Müllers stehende Mühlenbrücke. Die Stadt Wedel möchte wegen der Wegerechte die Brücke über die Aue erwerben. Die Verhandlungen kommen erst 1911 zum Abschluss. 1870 wird das oberschlächtigen Wasserrad ein letztes Mal ausgetauscht. Denn ab 1896 ersetzt ein Dampfkessel die unbeständige Wasserkraft und treibt so die Mühle für einige Jahre an. 1908 nimmt das Elektrizitätswerk Wedel am Rosengarten den Betrieb auf. Daher kann wenige Jahre später der Dampfkessel durch einen Stromgenerator ersetzt werden. Durch den Generator können von nun an zwei Turbinen angetrieben werden. Nach dem Tode von Johann Albert Heinsohn 1921 erbt sein Sohn Julius Heinsohn die Mühle, sowie die Fischereigerechtsame am Mühlenteich und an der Wedeler Aue.
Bis in die 1940er Jahre ist die Wedeler Aue mit flachen Fahrzeugen bis zur Wassermühle schiffbar. Daher wurde das zu mahlende Korn auf dem Wasserwege angeliefert. Zuletzt war es der hölzerne Elbewer „Gustav" ohne Hilfsmotor von Albert Röttger, der die Lieferungen für die Wassermühle bringt. Die jüngsten Abbildungen stammen aus dem Jahr 1939. Danach sind keine Nachweise mehr bekannt. Vermutlich wird das Korn seitdem ausschließlich mit LKWs geliefert. Damit ist dann 1957 auch Schluss, als der letzte Müller Julius Heinsohn den Mahlbetrieb stilllegt.
Die Räumlichkeiten werden danach vermietet. 1973 sind Julius Heinsohn und dessen Sohn Johannes Heinsohn in aller Munde, da sie die Räumlichkeiten in der Wassermühle an türkische „Gastarbeiter-Familien“ vermieten. Für diesen Zweck werden die großen Mühlenräume zuvor mit Pappwänden zu Räumen von etwa zwölf bis 14 Quadratmetern unterteilt. In den fünf Räumen im Untergeschoss und den vier Zimmern im Obergeschoss hausen nun 22 Personen, die in jedem Stockwerk eine Toilette und einen Wasserhahn zur Verfügung haben. Die elektrischen Leitungen, die lose von Wänden und Decken hingen, stellen eine Brandgefahr dar, in den Fluren hingegen gibt es gar keine Beleuchtung und das obere Geschoss ist nur über eine steile Holzstiege zu erreichen. Als der Stadt Wedel dies bekannt wird, dauert dieser Zustand bereits mindestens sieben Jahren an. Mit einer Räumungsverfügung wird der Müller aufgefordert, die Mieter rauszusetzen. Einige von ihnen können vorläufig in das leerstehende Gebäude Hafenstraße 16 einziehen, bevor dies einige Jahre später abgebrochen wird, um der Senioren-Residenz Platz zu machen. Knappe zehn Jahre später, ab 1982 wird das innere Mühlenwerk abgerissen und die Wassermühle restauriert. Das schöne Gebäude dient seitdem als Gewerbe- und Wohngebäude.
Weiteren Ärger gibt es auch um den Mühlenteich. Dieser entwickelt sich ab den 1970er Jahren zu einem Politikum. Der Müller besitzt das Staurecht für den Teich. Aber er übt nach Ansicht der Bevölkerung dieses Recht nach Gutsherrenart aus. Das führt dazu, dass er im Winter unter dem Eis das Wasser ablässt, wenn er schlittschuhlaufende Schüler nicht auf seinem Teich haben will. Oder er lässt das Wasser im Hochsommer ab, so dass ein Kloake-Gestank durch Wedel zieht. Hinzu kommt, dass sowohl Bevölkerung, als auch Politik im Mühlenteich einen Freizeitwert erkennen. Man möchte hier Bänke haben und auf Wanderwegen am Teich entlang schlendern. Das aber ging nicht, solange der Mühlenteich unbefestigt war und zudem noch immer dem Müller Heinsohn gehört, der ein gutes Geschäft wittert. Es ist ein sehr langer Weg bis zum heutigen Zustand. Die Akten der Stadt Wedel über die Vereinbarungen zum Staurecht und die anschließende Renaturierung der Wedeler Aue und des Mühlenteichs füllen das Archiv.
Die Wedeler Windmühle
Nun zur Geschichte der Windmühle. 1726 wird dem Müller Frantz Dietrich Lüders die Erlaubnis zum Bau der Windmühle gegeben. Diese wird 1731 an der Straße nach Blankenese errichtet. Beim Pachtübergang 1819 wird die Windmühle folgendermaßen beschrieben: „Es ist eine achteckige holländische Mühle, die mit Reet gedeckt ist. Der Grund der Mühle besteht aus rauen Felsen, darüber sind gebrannte Mauersteine. An der unteren Seite beträgt der Durchmesser 48 Fuß, der Durchmesser der mit Schindeln versehenen Kuppe beträgt 19 Fuß 8 Zoll. In der unteren Kammer sind die Alkoven, die Staubmühle und die Mattenkiste untergebracht. Auf dem zweiten Boden befinden sich zwei Graupengänge, das Sichtwerk und zwei Kornbehältnisse, ferner der Mahlgang. Der Bodenstein hat 8 ¼ Zoll Durchmesser, der Mahlgang des Boden-Steins umfasst 7 Zoll, der Läufer 14 ¼ Zoll. Der Halsstein unter der großen Welle misst ca. 2 Fuß. Auf dem dritten Boden arbeitet das Sternrad mit dem Getriebe. Auf dem vierten Boden ist eine Vorrichtung angebracht, wodurch das Korn durch die Mühle selbst in die Höhe befördert wird. Auf dem fünften Boden befindet sich das Kron-Getriebe mit Kammrad und Welle.“
Eine Windmühle ist vielen Gefahren ausgesetzt. So reißt im Frühjahr 1832 ein Sturm einen der Mühlenflügel ab. Für sechs Wochen wird die Mühle stillgelegt, um die Reparatur, für die 263 Taler fällig sind, abzuschließen.
Drei Jahre später, kurz vor Silvester 1835, zieht ein heftiges Gewitter über Wedel hinweg. Gleich mehrere Blitze schlagen in die Flügel der Windmühle ein und verteilen die Splitter über hunderte Meter weit. Die beiden Müllergesellen, die dort in der Mühle schlafen, bleiben wie durch ein Wunder unverletzt. Die Reparaturarbeiten nach diesem Unglück dauern bis Juli 1836 an, da zugleich geplant wird, in der Windmühle einen zweiten Mahlgang einzubauen.
Dezember 1851 brennt die Windmühle bis auf die Grundmauern nieder. Diesmal ist es Brandstiftung! Als Täter wird, so schreibt der Pastor Reinhold Thode in die Chronik der Kirchengemeinde Wedel, kurz nach dem Brand ein Müllergeselle festgenommen, der aus Sülldorf gebürtig war. Sein Beweggrund: Er will sich verheiraten. Um seiner zukünftigen Frau etwas bieten zu können, stiehlt er ein Bett. Um diesen Diebstahl zu decken, zündet er kurzerhand die Mühle an. Die Tat fliegt schnell auf, denn ein Mädchen, das auch in der Mühle gedient hatte, erkennt das Bett.
Die Löschversuche beim Brand weisen „mehrere Unzuträglichkeiten auf“. Der Landdrost nimmt dies zum Anlass, die Wedeler Bevölkerung ernstlich zu ermahnen, die Instruktion für die Brandaufseher in der Herrschaft Pinneberg vom 24.12.1846 zu befolgen. Diese schreibt vor, dass sich jeder arbeitsfähige Mann an den Löscharbeiten zu beteiligen und den Anordnungen des Brandaufsehers zu folgen hat. Zwanzig Jahre später, am Karfreitag des Jahres 1873 wird die Mühle erneut ein Opfer der Flammen. Diesmal ist es „nur“ ein Blitzeinschlag. Auch daraufhin wird sie erneut aufgebaut.
Ab 1928 beschränkt sich der Müller Julius Heinsohn, auf den Betrieb der Wassermühle. Deshalb lässt er 1929 in der Windmühle zwei Mietwohnungen einbauen. Wenige Jahre später werden die Flügel demontiert. Ohne Flügel übersteht die Windmühle zwar den Krieg, allerdings verfällt sie immer mehr, bis die Tochter des Besitzers Helga sie ab 1964 gemeinsam mit ihrem Mann, dem Schlossermeister Rudolf Hamman, herrichtet. Ende der 1970er Jahren will das Ehepaar zudem das stimmungsvolle Gebäude ausbauen und dort ein Gartencafé einrichten. Dieser Tatendrang wird aber durch einen Bebauungsplan gehindert. Ein großes Gelände zwischen der Bahntrasse und der Straße Rosengarten gehört dem Wedeler Turn- und Sportverein, der dort seit 1927 eine Sporthalle und zuvor bereits seit Jahrzehnten seinen Sportplatz hat. Daran schließt sich das große Areal des altansässigen Gartenbaubetriebs Schadendorff an. Beide nun verkaufen ihr Gelände an Wohnungsbauunternehmen und die Stadtplanung legt die Straßenführung zu den Wohnungen fest. Die Mühle kommt um einen Abbruch herum, ist aber nun eingerahmt durch Häuser. Dadurch sind die Windverhältnisse so ungünstig, dass die im Jahr 1981 angebrachten Flügel durch böige Winde beschädigt werden. Die Flügel werden daher 1989 demontiert. Heute steht die Windmühle ohne Flügel da und fristet in dieser Nische zwischen den Wohnblöcken leider ein Schatten-Dasein.