Es war die letzte Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Wedel unter der Leitung von Wehrführer Michael Rein. Nach 24 Jahren endet Reins vierte Amtszeit. "Die verbleibenden vier Jahre meiner aktiven Zeit werde ich mit den alten Kameraden in der
Reserve verbringen und gemeinsam mit euch Einsätze fahren. Darauf freue ich mich sehr", schloss der 63-Jährige seinen Jahresbericht. Begonnen hatte seine Rede mit einer Erinnerung an den Kameraden "Janne" Kowalleck, der 2025 im Alter von 49 Jahren verstorben war.
Immer mehr Einsätze
Der Rückblick auf die Einsätze des vergangenen Jahres lässt sich inhaltlich mit "unauffällig" zusammenfassen. Die Entwicklung der Einsatzzahlen ist allerdings bemerkenswert: 454 Einsätze bedeuten einen Zuwachs von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die zunehmende Belastung der Kameradinnen und Kameraden, besonders durch den Anstieg der Kleinalarme auch in der Nacht, überschreitet in Einzelfällen bereits die Schwelle zur Überlastung. Die Folge: Kameradinnen und Kameraden kommen trotz Alarmierung nicht zur Wache. Diesem Trend zu begegnen und ihn umzukehren sei eine schwer lösbare Aufgabe, so Rein. Er forderte deshalb "systemische Veränderungen".
Die enge Verbundenheit und gute Zusammenarbeit mit den anderen Hilfsorganisationen und der Stadtverwaltung verdeutliche Rein an einem Beispiel: Der Fachdienst Gebäudemanagement hatte die Feuerwehr-Verantwortlichen zur Mitarbeit an der Planung des neuen Feuerwehr-Parkplatzes eingeladen. So konnten alle Anforderungen und Wünsche der Wehr im Rahmen der Möglichkeiten umgesetzt werden.
Weniger Personal
Während die Einsatzzahlen steigen, ist beim Personal ein leichter Rückgang zu vermelden. Deshalb müsse mehr Energie in die Mitgliederwerbung investiert werden, so Rein. Ergänzend zur breiten Präsenz in den sozialen Medien sind alle Mitglieder aufgerufen, aktiv für dieses anspruchsvolle und erfüllende Ehrenamt zu werben.
Eine weiterhin verlässliche Quelle für neue Mitglieder ist die Jugendfeuerwehr. Sie wurde 2002 gegründet – das Jahr, in dem Michael Rein zum Wehrführer gewählt wurde. Jugendgruppenleiterin Merle ließ in ihrer Rede das vergangene Jahr Revue passieren. Sie bedankte sich ganz besonders bei den Ausbildern und Betreuerinnen, die neben ihrer Tätigkeit in der Einsatzabteilung viel Zeit in die Jugendfeuerwehr investieren.
Für Michel Rein war es die letzte Jahreshauptversammlung als Wehrführer, für Claudia Friederich die erste. Wedels Stadträtin hatte im Vorfeld ihren Kollegen Volkmar Scholz zum üblichen Ablauf dieser Veranstaltung befragt. Scholz, Kämmerer und Feuerwehrwehrmitglied, erzählte der Stadträtin, dass sie ihre Grußworte aus dem Korb einer Feuerwehr-Drehleiter an die Gäste richten wird. Friederich war erleichtert, als sie feststellte, dass das Rednerpult tatsächlich von der alten Drehleiter stammt, aber fest auf dem Boden der Wedeler Fahrzeughalle stand. In ihrer Rede richtete sie den Blick auf eine Personengruppe, die nur selten im Mittelpunkt steht: die Familienangehörigen, Partnerinnen und Partner der Feuerwehrleute. Sie geben Rückhalt, zeigen viel Verständnis und üben oft Verzicht. "Feuerwehr ist Teamarbeit – und dieses Team beginnt zu Hause", so Friederich.
Bodycams und "Ehrlichkeitserlass"
"Es ist schön, mal bei einer kleineren Feuerwehr zu Gast zu sein". Diesen Satz hört man in Wedel selten, schließlich zählt die Feuerwehr der Rolandstadt zu den größeren im Kreis Pinneberg. Kreiswehrführer Stefan Mohr kommt aus Elmshorn, der größten Stadt des Landkreises – deshalb kann er das sagen. Unter den von Mohr verlesenen Neuigkeiten vom Kreisfeuerwehrverband und aus den Wehren des Kreises war eine, die aufhorchen ließ: Die Freiwillige Feuerwehr Uetersen wird vier sogenannte Bodycams anschaffen. Mit den kleinen Kameras, die am Körper befestigt werden, filmen die Uetersener Feuerwehrleute zukünftig Einsätze, bei denen verbale oder körperliche Übergriffe drohen. Das sind oft vermeintlich banale Situationen wie Ölspuren, die von der Feuerwehr mit Ölbindemittel abgestreut werden. Die Maßnahme dient der Verkehrssicherheit, einige Autofahrer reagieren darauf mit Pöbeleien und aggressivem Fahrverhalten. "In was für Zeiten leben wir eigentlich?", fragte Mohr, ohne eine Antwort zu erwarten. Stattdessen machte er auf eine Forderung aufmerksam, die Landesbrandmeister Jörg Nero im Innen- und Rechtsausschuss des Landtags als "Ehrlichkeitserlass" bezeichnet hatte. Es geht um die Frage, wie viele Ehrenamtliche im Katastrophenfall mobilisiert werden können. Das ist gar nicht so einfach zu ermitteln, weil einige bei Organisationen der kritischen Infrastruktur beschäftigt und andere in mehreren Hilfsorganisationen Mitglied sind. Da es kein zentrales Register gibt, wünscht sich Nero eine Selbstauskunft aller ehrenamtlich Tätigen.
Ehrung mit Überraschungseffekt
Kreiswehrführer Mohr durfte an dem Abend mehrere Beförderungen und eine Ehrung vornehmen. Letztere kam für den Geehrten völlig überraschend. Auf Initiative seiner Kameradinnen und Kameraden war Michael Rein für das Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber vorgeschlagen worden. Die von Mohr verlesene Begründung fasste eindrucksvoll die Höhepunkte von Reins Amtszeit zusammen. Die Gründung der Jugendfeuerwehr und ein stets moderner Fuhrpark sind nur zwei der Dinge, die auf Reins Konto gehen, so Mohr. Sichtlich gerührt bedankte sich Rein für diese Ehre.
Ein weiterer Wedeler Kamerad mit einer beeindruckenden Feuerwehr-Biografie ist Klaus Reining. Der Löschmeister ist seit 50 Jahren Mitglied der Feuerwehr und hat sich in dieser Zeit in verschiedenen Funktionen um die Wehr verdient gemacht. Es fehlten nur zwei Wochen zur Ehrung "50 Jahre aktive Mitgliedschaft". Nichtsdestotrotz wurde Reining mit einer Laudatio, vielen Geschenken und einem lang anhaltenden Applaus gebührend gefeiert.
Helfer helfen Helfern
"Wir schätzen das, was die Mitglieder der Feuerwehren tun – und das nicht erst seit gestern", bekannte Sascha Schmidt in seinem Grußwort. Der Leiter des Polizeireviers Wedel hatte am Tag zuvor erlebt, was es bedeutet, auf die Feuerwehr angewiesen zu sein. Ein Polizeifahrzeug war auf dem Weg zu einem gemeldeten Feuer in Hetlingen mit einem Pkw kollidiert – direkt vor der Feuerwache in Holm. Die Beifahrerin des Polizeifahrzeugs musste von der Feuerwehr mit schwerem Gerät aus dem Fahrzeug befreit werden. Den Dank für die Unterstützung durch die Feuerwehr äußerte Schmidt auch stellvertretend für alle Menschen in dieser Stadt. Dank, Zusammenhalt und gegenseitige Wertschätzung – diese Aspekte zogen sich wie ein roter Faden durch eine Jahreshauptversammlung mit vielen emotionalen, nachdenklichen und schönen Momenten. (Feuerwehr Wedel / 15.2.2026)
Beförderungen
- Endgültige Aufnahme in die Feuerwehr Wedel: HFM Ralf Mohr
- Endgültige Aufnahme in die Feuerwehr Wedel und Beförderung zur Feuerwehrfrau / zum Feuerwehrmann: Finn Augustin, Hannes Komoll, Nadezda Morozova, Oleksandr Yushchenko
- Übernahme in die Einsatzabteilung und Beförderung zum Feuerwehrmann: Colin
- Beförderung zur Hauptfeuerwehrfrau / zum Hauptfeuerwehrmann: Franzi Feuchtner, Tyll Schultz, Karim Wichern
- Beförderung zum Löschmeister: Christopher Genz, Mario Hollmann, Tom Kuhlmann
- Beförderung zum Hauptlöschmeister: Kevin Evers, Maximilian Hackl
- Beförderung zum Hauptlöschmeister***: Thorsten Schneider, Jan Struve
Ehrungen
- 10 Jahre Mitgliedschaft: Jens Latza, Volkmar Scholz
- 50 Jahre Mitgliedschaft: Klaus Reining
- Verleihung des deutschen Feuerwehr-Fitness-Abzeichens (dFFA): Jens Benölken, Franzi Feuchtner, Tim Grawert, Holger Koschek, Tom Kuhlmann, Ralf Mohr, Juliane Sabow, Kim Weißer