Es sind die einfachen Dinge, die alle Menschen verbinden – Essen und trinken, einander zuhören, spielen und, ja, der Wunsch nach Frieden in einer einigermaßen geordneten Welt. Kaum einer hat das instinktiv so sehr gewusst wie Hüseyin Inak. Und mehr: Hüseyin Inak nutzte dieses Wissen, um die Menschen aller Herkunftsländer und aller Altersgruppen zusammenzubringen.
Als Wedeler mit kurdischen Wurzeln in der Türkei wusste Inak, wie wichtig es ist, dass Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen nicht nur übereinander reden, sondern miteinander aktiv werden, um zu sehen: Da ist viel mehr, das uns verbindet, als das, was uns trennt.
In vielen Jahren hauptamtlicher Tätigkeit als Flüchtlingsbetreuer für die Diakonie und in vielen (wegen der Menge unmöglich vollständig aufzuzählenden) ehrenamtlichen Funktionen hat Inak die alteingesessenen Menschen aus Wedel mit den Neuwedelern aus aller Welt zusammengebracht – oft Seite an Seite mit städtischen Einrichtungen und den Wedeler Vereinen: Als süßen Willkommensgruß und Gemütsaufheller zur städtischen Einwohnerversammlung lieferte die von ihm betreute Kochgruppe syrischer Frauen Baklava für die Gäste. Bei dem von ihm und seiner Familie ins Leben gerufenen Friedenscup spielten in immer neuen Auflagen bunt gemischte Fußballteams ebenso ehrgeizig wie freundschaftlich miteinander um den Sieg.
Als im Zuge der Flüchtlingswelle 2016 die öffentliche Stimmung zunehmend kritisch auf die Asylpolitik blickte, zog Inak mit Geflüchteten über den Elbstrand und brachte Wedels Aushängeschild mit der Müllsammelaktion „Sauberer Strand“ so pragmatisch auf Vordermann, dass sich bald auch schon alt eingesessene Wedeler der Gruppe anschlossen. Fortan wurde der Strand gemeinsam sauber gehalten. Im auch von Inak für die Teams des SC Rist ins Leben gerufene Fan-Club „Yalla Risters“ trommelten zunächst ausschließlich Geflüchtete die Rist-Teams auch auf Auswärtsfahrten nach vorn und setzten so - weit über Wedels Grenzen hinaus – ein Zeichen für die „Weltoffene Gemeinde“, als die die Stadt Wedel 1990 ausgezeichnet wurde.
Inak hatte zudem stets auch sein Ohr an der Geflüchteten-Community und baute so wichtige Brücken zu anderen Teilen der Stadtgesellschaft. Auch war es ihm wichtig, dass die Not der Einen nicht populistisch gegen die Not der Anderen ausgespielt wird: Dass die Kochgruppe der Geflüchteten vor Weihnachten im Stadtteilzentrum „mittendrin“ für Bedürftige oder 2022 für Geflüchtete aus der Ukraine kochte, war für Inak ein wichtiges Zeichen des Zusammenhalts der gesamten Stadt. Zuletzt brachte das große Willkommensfest, das Inak mit organisierte, 2022 viele Menschen fröhlich im Johann-Rist-Gymnasium zusammen.
Am heutigen 7. August 2024 hat die Stadt Wedel die Nachricht erreicht, dass Hüseyin Inak während eines Türkeiaufenthaltes gestorben ist. Diese Nachricht macht uns traurig und lässt uns zuerst an seine Familie denken, der wir sehr viel Kraft für die nun anstehende schwere Zeit wünschen.
Die Stadt Wedel dankt Hüseyin Inak für seinen unermüdlichen Einsatz für die Rolandstadt, der nun schmerzliche fehlen wird. Jetzt ist es an uns allen, selbst miteinander und mit anderen zu essen, zu trinken, zu spielen und uns für den Frieden und die Gemeinschaft einzusetzen. Hüseyin Inak hat uns gezeigt, wie das geht. Jetzt sind wir dran!