Die Freundschaft zwischen der Stadt Wedel und ihrer französischen Partnerstadt Caudry schlägt seit 1964 eine Brücke über die Gräben, die viele Kriege in mehreren Jahrhunderten zwischen Deutschland und Frankreich aufgerissen hatten. Wie groß das Geschenk des Friedens zwischen den beiden Nationen ist, konnten die Mitglieder der Wedeler Delegation nun ganz plastisch erleben, als sie auf Einladung Caudrys die Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag der Befreiung der französischen Stadt von der deutschen Besatzung im September 1944 besuchten.
Die drei Tage in Caudry standen ganz im Zeichen der Erinnerung vor allem an die Ereignisse während des Zweiten Weltkrieges, in dem Caudry von Truppen des Nazi-Regimes besetzt war.
Einen Videobeitrag von Wedel TV gibt es unter diesem Link.
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Kranzniederlegung auf dem Soldatenfriedhof
Am ersten Abend gedachten Franzosen und Deutsche zusammen mit einer Delegation aus dem polnischen Pinszow der Kriegstoten, die auf dem Soldatenfriedhof in Caudry begraben sind. Die große Zahl von mehr als 3.000 gefallenen Soldaten aus Großbritannien, Frankreich und Deutschland ist darin begründet, dass in der Nähe von Caudry eine der großen Frontlinien des Ersten Weltkrieges verlief.
Nach einer gemeinsamen Kranzniederlegung durch den Caudresischen Bürgermeister Frédéric Bricout und den Koordinator der Städtepartnerschaft auf Wedeler Seite, Sven Kamin, wurde in einer kleinen Zeremonie der Gefallenen gedacht. Eine aus deutscher Sicht ungewöhnliche Besonderheit: Beim Gedenken traten erstmals während des Besuches Franzosen in den historischen Uniformen der weltkriegsteilnehmenden Nationen auf französischem Boden im zweiten Weltkrieg in Erscheinung. Vier Tage lang hatten sie in einem nachgestellten Camp des zweiten Weltkriegs Ausrüstungen, Fahrzeuge und Waffen – vergleichbar etwa mit einem Mittelalter-Reenactment-Lager wie es in Deutschland bekannt ist – präsentiert. Bricout und Kamin erinnerten in ihren Reden an die Schrecken des Krieges und wie die deutsch-französische Freundschaft inzwischen ein wichtiger Garant für Frieden in Europa werden konnte. Aus Respekt vor den Gastgebern trug Kamin seine Rede in einer französischen Übersetzung vor.
In den historischen Jeeps der Weltkriegs-Darsteller wurden die Gäste aus Polen, Wedel und Caudry zum Städtepartnerschaftsabend ins Stadtzentrum gefahren, wo der Tag mit vielen Gesprächen und großer Wiedersehensfreude ausklang.
Spielszenen aus dem Zweiten Weltkrieg erinnern an Besatzungszeit
Der zweite Tag führte die Delegation zum Caudresischen Feuerwehrhauptquartier. Nadine Kube, Gruppenführerin in der Freiwilligen Feuerwehr Wedel, überreichte Geschenke der Wedeler Kameraden und informierte sich über die Ausstattung der französischen Kollegen. Zur weiteren Vertiefung der Kontakte konnte Kube eine Einladung zum Feuerwehrfest „Sainte Barbe“ (dem Gegenstück zum deutschen Feuerwehr Schutzpatron Florian) mit an die Elbe nehmen.
Bei der anschließenden offiziellen Eröffnung des Weltkriegs-Camps auf einem Freizeit-Areal nahe der Innenstadt Caudrys, staunten die Wedeler über die große Liebe zum Detail der französischen Darsteller. Der Leiter des Wedeler Stadtmuseums Holger Junker nutzte die Zeit für Fachgespräche mit den Darstellern. Teil des Camps war auch eine große historische Ausstellung bei der zahlreiche Caudresische Gruppen und Verbände an die Epoche rund um den Zweiten Weltkrieg erinnerten. Auch die Delegationen aus Wedel und dem polnischen Pinszow hatten dafür Beiträge erarbeitet. Der Wedeler Beitrag behandelte die Zeit des Nazi-Regimes, bei der es auch in Wedel zu schweren Verbrechen gekommen war und den Weg in eine Erinnerungskultur, die bis zur beeindruckenden Demonstration mit 4.000 Teilnehmenden für Demokratie am 30. Januar 2024 in Wedel reichte. Die Wedeler ehrenamtlichen Delegationsteilnehmer Andreas Müller und Olaf Wuttke standen den Besucherinnen und Besuchern dabei mit weiteren Informationen zur Seite.
Der Wedeler Ausstellungsbeitrag ist hier zu sehen.
Im Rahmen der Eröffnungszeremonie, bei der neben Frédéric Bricout auch dessen Vater und ehemaliger Bürgermeister Caudrys, Guy Bricout, anwesend war, lobte Kamin in seiner Rede den Enthusiasmus der Darsteller und den gemeinsamen Kampf für den Frieden.
Am Abend präsentierte Caudry in einer dreieinhalbstündigen Szenenfolge, an der 200 Einwohnerinnen und Einwohner aus Caudry sowie die Teilnehmenden des Militär-Camps beteiligt waren, die Geschichte der Stadt im Zweiten Weltkrieg. Auch die Deportation von Juden und die Erschießung von französischen Resistance-Kämpferinnen und Kämpfern durch Männer in Wehrmachtsuniformen wurden zum Teil bedrückend intensiv nachgespielt. Zur Danksagung an die Beteiligten betraten Frédéric Bricout und Sven Kamin, die das Schauspiel Seite an Seite verfolgt hatten, gemeinsam die Bühne und reichten sich als Symbol für die nun friedliche Partnerschaft die Hände.
„Konvoi der Befreiung“ und zentrales Gedenken zum Abschluss
Höhepunkt der Feierlichkeiten war schließlich am dritten Tag bei herrlichem Spätsommerwetter eine Rundtour eines Konvois der Militärfahrzeuge aus dem Camp durch die Nachbarorte Caudrys. An Bord der Fahrzeuge waren neben der Wedeler Delegation auch eine „britische“ Dudelsack-Kapelle und Darsteller von britischen und US-amerikanischen Soldaten sowie eine Gruppe von Franzosen in der nachempfunden Kleidung von Résistance-Kämpferinnen und Kämpfern. An den Straßenrändern wurde der Konvoi mit Jubel und zum Teil mit Swing-Musik empfangen. An den Kriegsdenkmälern der Orte wurde Halt gemacht und der Kriegstoten gedacht. Zurück in Caudry führte eine große Parade mit Fahnenkorps und regionaler politischer Prominenz unter dem Jubel der Einwohnerinnen und Einwohner zum Kriegsdenkmal auf dem zentralen Platz Caudrys. Hier legte der Caudresische Koordinator der Städtepartnerschaft, Jean-Baptiste Duez, zusammen mit seinem Wedeler Gegenüber Sven Kamin einen Kranz zum Gedenken nieder.
Den Abschluss der Reise bildete ein gemeinsames Abendessen mit Caudresern, Polen und der Wedeler Delegation, an dem auch Schülerinnen und Schüler aus Caudry teilnahmen, die in diesem Jahr Wedel besucht hatten. Sie freuten sich über ein Wiedersehen mit der Leiterin des Wedeler Kinder- und Jugendzentrums (KiJuZ) Jülide Harder.
Gerade die neuen Verbindungen von Jugendlichen aus Caudry und Wedel trägt die Städtepartnerschaft in die nächste Generation. Eine neue Generation, die durch die zwar unterschiedliche aber umso intensivere Erinnerungskultur in Caudry und Wedel um die Schrecken des Krieges aber auch um die Kraft der Freundschaft und des Friedens weiß. Die gegenseitigen Besuche von Caudry und Wedel und die weitere Vertiefung des gegenseitigen Kennenlernens werden weiterhin zur Stärkung dieser Verbindung beitragen. Nach der Rückkehr der Wedeler Delegation war im Wedeler Rathaus eine Ausstellung über die politische Annäherung von Frankreich und Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zu sehen.
Hier die Ausstellung digital ansehen.
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